Institut für Holzqualität und Holzschäden - Dr. Rehbein und Dr. Huckfeldt

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Bestimmung von holzzerstörenden Insekten (Preise, Auftragsformular)

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Bestimmung von holzzerstörenden Insekten

Für die Bestimmung von holzzerstörenden Insekten greifen wir auf Merkmale des Bohrmehls, der Fraßgänge und – soweit sichtbar – der Ausflugslöcher zurück (u. a. HICKIN/EDWARDS 1975; MAHLKE, 1950; NOLDT, 2005, 2006, 2007, 2014; SUTTER, 1997; WEIDNER, 1993) und wenn vorhanden, auch auf die Larven und Voll-Insekten (u. a. nach BARTOS/VERNER, 1990; BECKER, 1943, 1950, 1951, 1953, 1958; EBNER / SCHERER, 2001; ENGELBRECHT/REICHMUTH, 2005; FLOHR, 2015; FREUDE et. al., 1969; HARDE / SEVERA, 1988, HICKIN, 1963; HICKIN / EDWARDS, 1975; KÖNIG, 1957; MAHLKE, 1950; NOLDT, 2005, 2006, 2007, 2014).
Hinweis: Eng verwandte, seltene Arten können sehr ähnliche bzw. kaum oder sogar nicht unterscheidbare Fraß-Merkmale aufweisen. Zum Beispiel weist SUTTER (1997) darauf hin, dass der Hausbockkäfer (Hylotrupes bajulus) und Hesperophanes cinereus nicht unterscheidbare Fraßmuster zeigen. Letztere Art ist für die Schweiz und Italien beschrieben, eine Ausbreitung nach Norden scheint aber möglich. Auch der Trotzkopf (Dendrobium pertinax) und der Balkenkopf-Pochkäfer – Schwammholzkäfer (Trypopitys carpini = Priobium carpini) zeigen am Fraßbild kaum unterscheidbare Merkmale (BECKER, 1951). Dabei zeigt Dendrobium jedoch eine Vorliebe für Keller und Trypopitys eine für Dachstühle.

  Holzzerstörende Insekten gibt es, seit Menschen in Gebäuden aus Holz wohnen. Wir finden sie z. B. in Fenstern, Pfeilern, Balken und Brettern.

Was benötigen wir von Ihnen (Probenmaterial zur Analyse von holzzerstörenden Insekten)?

Um die Insekten-Bestimmung für Sie schnellstmöglich durchführen zu können, benötigen wir ausreichendes Probenmaterial. Sofern es Ihnen möglich ist, sollte das Probenmaterial ein oder mehrere vollständige Insekten oder Larven umfassen und legen Sie etwas angefressenes Holz dazu.

Hinweis: Klebefallen sollten so verpackt werden, dass die Käfer/Spinnentiere nicht in den Fallen zerdrückt werden.

Können Sie die Vorgaben nicht einhalten (z. B. bei Teilkäfer-Funden), so ist dies meist kein Problem, eine Bestimmung von holzzerstörenden Insekten kann meist dennoch erfolgen. Es besteht jedoch - in Abhängigkeit von den vorliegenden Insektenresten - ein höherer Aufwand bei der Probenvorbereitung. Rufen Sie uns an, gerne unterbreiten wir Ihnen ein entsprechendes Angebot.
Liegt in einem derartigen Fall ein Verdacht auf einen Befall mit holzzerstörenden Insekten vor, sollte stets etwas vom befallenen Holz mitgesandt werden.

 
 Probenbeispiel: Teil eines Insektenflügels Kopf und Körper des Gemeinen Nagekäfers (<i>Anobium punctatum</i>)

Was erhalten Sie von uns (Preise)? 

Sie erhalten von uns ein schriftliches Gutachten als pdf-Datei mit folgenden Angaben (soweit verfügbar):

     -     Familie

     -     Botanischer Name, wichtige Synonyme

     -     Deutsche Namen (soweit vorhanden / gebräuchlich)

     -     Sanierungshinweise, wenn holzzerstörende Insekten vorliegen

Ergänzend können die für die Insektenarten-Bestimmung relevanten Merkmale fotografisch erfasst und im Gutachten dargestellt werden (Achtung: Es fallen zusätzliche Kosten an).

Je nach Auftrag stellen wir Ihnen auf Wunsch die wichtigsten biologischen Daten zur Insektenart zusammen (sofern vorhanden; Achtung: Es fallen zusätzliche Kosten an).
 

Der Blaue Fellkäfer ist ein Feind der holzzerstörenden Insekten, da er ihre Larven frisst.
Larve einer Hummelmotte (Aphomia sociella); die Hummelmotten gehören nicht zu den holzzerstörenden Insekten.

Biologie

Entwicklung: Die Eier von holzzerstörenden Insekten werden ins oder ans Holz gelegt, bei Legedruck jedoch auch an andere Materialien (Bild). In den meist weißen bis milchigen Eiern entwickeln sich dann bei günstigen Temperaturen die Eilarven. Die jungen Larven (Bild) bohren sich nach dem Schlüpfen in das Holz ein und entwickeln sich dann dort, indem sie Holz fressen. Bei der Verdauung des Holzes helfen Pilze und Bakterien im Darm der Tiere. Der Holzschaden wird also meist nicht von den Käfern verursacht, sondern von den im Holz nagenden Larven. Die Entwicklung der einzelnen Arten von holzzerstörenden Insekten ist unterschiedlich lang. Auch haben die einzelnen Arten unterschiedliche Lebensräume im Holz für sich erobert: Einige Arten fressen nur Nadelholz-Splint (z. B. Hausbockkäfer), andere bevorzugen faules Holz (z. B. Rüsselkäfer) oder nur Laubholz-Spint mit Rinde (z. B. Roter Scheibenbock) und wieder anderen mögen besonders gerne Eichenholz (z. B. Bunter Nagekäfer). Am Ende der Larven-Entwicklung verpuppen sie sich und schlüpfen i.d.R. nach der Verwandlung aus.
 

Insekten-Eier direkt nach dem Legen von einem Scheibenbock.

Eilarven kurz vor dem Schlüpfen; Larve und Eihülle sind deutlich unterscheidbar.

Einteilung der holzzerstörenden Insekten

 

 

Eine Einteilung der holzzerstörenden Insekten stammt von VITE (1952):
Er teilt diese in vier Gruppen: 1. Frischholzinsekten (z. B. Scheibenböcke), 2. Trockenholzinsekten (z. B. Hausbockkäfer und Gewöhnlicher Nagekäfer), 3. Feuchtholzinsekten (z. B. Bunter Nagekäfer) und 4. Faulholzinsekten (z. B. Rüsselkäfer).
Hierbei betont VITE (1952), dass es sich nicht um ein statisches System handele, sondern dass es viele Übergänge gebe. So benötigten die Eilarven und die kleineren Larven des Bunten Nagekäfers für ihre Entwicklung feuchtes und faules (gern moder- oder weißfaules) Holz. Alte Larven finden sich auch in trockenerem Holz (bis 12%); dieses Holz weisen nach bisherigen Untersuchungen Vorschäden auf, die z. T. nur mikroskopisch nachweisbar sind (so z. B. Moderfäulepilz-Befall). So finden wir den Bunten Nagekäfer meist in alten Kirchen, Schlössern und Fachwerk, die viele Schäden und Reparaturen erlebt haben. Nur bei 4 von 94 Diagnosen an Holz mit Buntem Nagekäfer-Befall wurde kein holzzerstörender Pilz nachgewiesen. Bei diesen vier Hölzern wurde Schimmelpilzbefall festgestellt.
Eine klare Zuordnung ist z. B. bei den Splintholzkäfern (Lyctus spp.) möglich, die eindeutig zu den Trockenholzinsekten gehören. 
 

 Brauner Splintholzkäfer (Lyctus pubescens), schmaler, fein behaarter Käfer mit eingesenktem Halsschild

 

 

 

Übersicht - verändert nach VITE (1952)

 

Ökologische Gruppe

Befallsobjekt und Beziehung

Holzzustand (bei Befall)

Beispiel(e)*

Frischholzinsekten

A

gesunder lebender Baum

technisch und physiologisch unverändert

 Cerambyx cerdo

B

kränkelnder Baum oder frisch gefälltes Holz

Holz mechanisch und chemisch unverändert

Pyrrhidium sanguineum, Sirex gigas

Trockenholzinsekten

C

trocknendes oder trockenes berindetes Holz

Holz fest, wenig frisch bis trocken

Tetropium spp.

D

trockenes Bauholz

Holz fest und trocken

Anobium punctatum, Hylotrupes bajulus

Feuchtholzinsekten

E

feuchtes Holz, beginnende Fäulnis

Holz noch fest, Rinde gelockert, feucht

Xestobium rufovillosum

Faulholzinsekten

F

faulendes Holz

Holz in Zersetzung feucht bis nass, Rinde abfallend

Sticotoleptura rubbra

G

vermoderndes Holz

Holzsubstanz zerfallend, nass

Hexarthrum exiguum 

 

* Die Zuordnung ist nicht starr, es gibt Arten, die sich in zwei Gruppen einordnen lassen.

 

 

 

 

 

 

Hausbockkäfer (Trockenholzinsekt / Trockenholzbockkäfer)

Der Hausbockkäfer (Hylotrupes bajulus) ist ein großer Bockkäfer mit langen, weit ausladenden Beinen und großen, langen Fühlern am Kopf. Die Weibchen sind etwas größer als die Männchen. Die wärmeliebenden Käfer fliegen gern zum Licht und sind meist von Juni bis August unterwegs. Männchen und Weibchen finden sich durch einen Sexuallockstoff in Kombination mit "Holzduft". Nach der Eiablage sterben sie.
Die Käfer des Hausbockkäfers sind dunkelbraun bis fast schwarz (seltener auch braun bis grau-braun) und 8-26 mm lang. Zwei wichtige, kennzeichnende Merkmale sind zwei runde bis tropfenförmige, unbehaarte Schwielen auf dem Halsschild (NOLDT, 2014) und zwei grau-weiße Haarquerbinden auf den Flügeldecken, die sich aus der Grundbehaarung etwas hervorheben.
Die Hausbockkäfer-Larven fressen fast nur Nadelholz-Splint (KÖNIG, 1957) und verschonen das Kernholz (Bild). Das Genagsel der Hausbockkäfer-Larve besteht aus hellem, lockerem (selten auch etwas verklebtem) Bohrmehl mit walzenförmigen Kotpapillen von etwas unterschiedlicher Größe, entsprechend dem Alter der Käfer-Larven (HICKIN/EDWARDS, 1975). Das benagte Holz zeigt meist eine typische Struktur von Riffelmarken, die von den Mandibeln verursacht werden (siehe Bild). Die Larven verursachen zuweilen auch einen Platzfraß. Beim Platzfraß werden nährstoffreichere Holzteile über Jahrringe hinweg abgefressen, dabei entstehen wellenförmige Nagespuren (HAUSTEIN/HAUSTEIN, 2015). Die Ausflugslöcher sind oval, bis 4 x 7 mm groß und meist etwas zackig ausgefranst.
 Die Sanierung ist i.d.R. nach DIN 68800-4 zu planen und auszuführen.

Fast nur das Splintholz wird von den Larven angegriffen; das Kernholz bleibt intakt.

Kopf einer Hausbockkäfer-Larve (Hylotrupes bajulus) mit den mächtigen schwarzen Mandibeln, die das Holz abhobeln.

Gemeiner / Gewöhnlicher Nagekäfer, auch Möbelkäfer oder Kleiner Holzwurm (Trockenholzinsekt / Trockenholzbockkäfer) 

Die Vollinsekten des Gewöhnlichen Nagekäfers (Anobium punctatum) sind braun bis dunkelbraun (zuweilen wird auch schokoladenbraun angegeben), oval bis etwas gestreckt mit geschlossener, kompakter Gestalt. Die Käfer sind 3-5 (-6) mm lang x 1,5-2 mm breit x ca. 1 mm hoch, einfach behaart und haben in Längsrichtung punktierte Flügeldecken, die den gesamten Flügel bedecken (NOLDT, 2014). Der Kopf zeigt als Charaktermerkmal eine Kapuze mit besonderem "Feuerwehrhelm" mit Mittelhöcker (Bild). Der Kopf ist in Ruhelage nach unten gerichtet und von oben gesehen verdeckt (im Halsschild deutlich eingesenkt). Die Seiten sind gekantelt (nach oben geschlossener Kragen; FREUDE et. al., 1969). Die Fühler sind fein und fadenförmig, nicht gesägt wie beim Gekämmten Nagekäfer (Ptilinus pectinicornis). Sie setzen sich aus 11 Gliedern zusammen, die innen, neben dem Auge ansetzen; die letzten drei Glieder sind verlängert und etwas verbreitert (Bild).
Männchen und Weibchen finden sich beim Gewöhnlichen Nagekäfer durch einen Sexuallockstoff, den die Weibchen abgeben (HAUSTEIN/HAUSTEIN, 2015).
Die Entwicklung des Gewöhnlichen Nagekäfers dauert etwa zwei bis drei Wochen von der Eiablage in Rissen oder Spalten des Holzes bis zum Schlüpfen der jungen Larven. Die Larven bohren sich nach dem Schlüpfen in das Holz ein, in dem sie zwei bis vier (bis zehn) Jahre leben (NOLDT, 2006). Für ihre Entwicklung sind Temperaturen von 22-23 °C und eine Holzfeuchte von 30% optimal. Nach einer zwei- bis vierwöchigen Puppenruhe schlüpfen die Käfer zwischen April und August, meist aber im Mai und Juni (SUTTER, 1997).

Allgemeines: Nagekäfer leben – je nach Art – von trockenem Nadelholz und/oder Laubholz sowie feuchtem pilzbefallenem Holz, sie sind „ortstreu“ und verbleiben über viele Generationen hinweg im gleichen Holz bis zu dessen vollständiger Zerstörung (KEMPE, 2009). Die Sanierung ist i.d.R. nach DIN 68800-4 zu planen und auszuführen.
oben

 
 

Kopf des Gemeinen Nagekäfers (Anobium punctatum) in Seitenansicht

Bunter Nagekäfer, Totenuhr, Gescheckter Nagekäfer oder Gefleckter Nagekäfer (Feuchtholzinsekt bzw. Faulholzinsekt gemäß DIN 68800-1, 2011; 4.3.5)

Die Käfer des Bunten Nagekäfers (Xestobium rufovillosum) sind hell- bis dunkelbraun und (4,5) 5-7 (-9) mm lang. Ein kennzeichnendes Merkmal ist die feine scheckige, oft fleckenhafte, gelbbraune Behaarung (Bild). Der allgemeine Aufbau entspricht in vielen Punkten dem des Gewöhnlichen Nagekäfers.
Natürliche Lebensräume des Bunten Nagekäfers sind tote Äste, Stämme und Stümpfe von z. B. Eichen und Weiden (HICKIN, 1963).
Ein bis mehrere Lebenszyklen sind vollständig innerhalb eines Bauteiles möglich, dies bedeutet, die ausgeschlüpften Käfer verlassen das Holz nicht, sondern die Weiblich legen Ihre Eier innerhalb des Bauteiles, aber nur wenn größere Hohlräume vorhanden sind. Die Hohlräume müssen groß genug sein, dass eine Kopulation der Tiere möglich ist. Die Käfer fliegen kaum; sie bewegen sich meist krabbelnd. Männchen und Weibchen finden sich durch Klopfgeräusche, welche Männchen und Weibchen durch das Schlagen Ihres Kopfes gegen Holz erzeugen (RIDOUT, 2000).
Die Larven scheinen einwandfreies, trockenes Kernholz weniger angreifen zu können, nur bis 1 m vom Fäule-Befall entfernt. Der Bunte Nagekäfer ist aber in der Lage zumindest schwach fäulegeschädigtes Nadelholz zu besiedeln und zu zerstören (BECKER, 1950; WEIDNER, 1993). Zudem gibt HICKIN (1963) an, dass zumindest gesundes Weidenholz angegriffen werden kann, wenn auch nur sehr langsam. Dabei war die Larven-Etablierung selten und die meisten Eilarven starben. Nach rund 9 Jahren Entwicklung fanden sich Larven von nur 3 mm Länge (HICKIN, 1963). Klarer wird KÖNIG (1957): „Die Art ist aber nicht auf pilzbefallenes Holz angewiesen; vielmehr kann die Entwicklung auch in gesundem Holz erfolgen“. Diese Aussage würde den Beobachtungen von RIDOUT (2000) entsprechen. FISHER (1941) wies allerdings einen Zusammenhang zwischen dem Holzabbaugrad und der Larvenentwicklungszeit nach: Je stärker der pilzliche Holzabbau, desto schneller war die Larvenentwicklung. Bei einem Abbaugrad von 18% Masseverlust durch den Ausgebreiteten Hausporling (Donkioporia expansa) ergaben sich rund 50 Monate Entwicklungszeit (von der Eilarve bis zum Vollinsekt); bei 73 % Masseverlust hingegen nur 12 Monate. Andere Autoren geben an, dass zumindest die Eilarven pilzbefallenes Holz benötigen und sich erst ältere Larven im gesunden Holz entwickeln können (z. B. SUTTER, 1997). DIN 68800-4 (2012) gibt an, dass der Bunte Nagekäfer - wie auch der Trotzkopf (
Hadrobregmus pertinax) - auf durch Pilze vorgeschädigtes Holz angewiesen ist.
Die Käfer leben bis zu 10 Wochen (HICKIN, 1963) und laufen ab 14°C, jedoch nur langsam, die Aktivität ist bei 17-20°C deutlich größer (Daten aus HICKIN, 1963). Splintholzanteile werden bevorzugt angegriffen (UNGER, 1990).
HAUSTEIN et al. (2010) geben an, dass eine Population des Bunten Nagekäfers langsam abstirbt, wenn die Holzfeuchte dauerhaft auf Werte unterhalb von 12 um% Holzfeuchte abgesenkt wird. Bei welcher Holzfeuchte eine Eiablage und die erfolgreiche Etablierung der Eilarven möglich sind, ist nach der gängigen Literatur nicht sicher bekannt. In der Regel werden Käferweibchen ihre Eier bei Legedruck (nahe ihres Lebensendes) an jeden halbwegs geeigneten Platz legen. Die Sanierung ist i.d.R. nach DIN 68800-4 zu planen und auszuführen.  
 


 Larve des Bunten Nagekäfers (Xestobium rufovillosum)

Vollinsekt des Bunten Nagekäfers (Xestobium rufovillosum) mit feiner Behaarung

Das Splintholz wird von den Larven bevorzugt angegriffen; das Kernholz bleibt länger intakt. und bedarf in der Regel einen Vorschaden durch Pilze oder Bakterien.

Rüsselkäfer an Holz (Feucht- oder Faulholzinsekten)

Die Vollinsekten der Rüsselkäfer (Familie: Curculionidae) sind braun, dunkelbraun bis schwarz und artspezifisch unterschiedlich lang. Ein kennzeichnendes Merkmal ist der Kopf, der mehr oder minder stark zum Rüssel ausgezogen ist (Bild). Typische Rüsselkäfer-Arten für Gebäude sind der Grubenholzkäfer (Hexarthrum exiguum = Rhyncolus culinris) - er ist 2,5-4 mm lang - und der Nadelholz-Rindenrüssler (Brachytemnus porcatus) - er ist 3-3,8 mm lang.
Rüsselkäfer treten nur in feuchtem und faulem Holz auf, sie sind somit als sekundäre Schädlinge zu bezeichnen, die sich nur ansiedeln konnten, weil die Bauteile über einen längeren Zeitraum feucht waren, sich Fäulepilze ansiedeln konnten und die Hölzer im Zuge des Pilzbewuchses faul wurden. Der Insektenschaden ist entsprechend auf die faulen Holzbereiche beschränkt. Eine Zerstörung von gesundem Holz ist bisher nicht bekannt.
Das Genagsel bzw. die Kotpapillen der Rüsselkäfer sind oft unregelmäßig walzenförmig, zum Teil auch einseitig zugespitzt oder auch rundlich und meist locker in den unregelmäßigen Gängen verteilt. Die Kotpapillen können auch gescheckt und von ungleichmäßiger Größe sein. Die Gänge haben einen Durchmesser von ca. 1-2 mm (Es gibt jedoch Abweichungen). Die Sanierung ist i.d.R. nach DIN 68800-4 zu planen und richtet sich vorwiegend nach der Pilzart des Fäuleschadens.

Hinweis: Die Rüsselkäfer werden von uns nur bis zur Gruppe hin bestimmt.
 

 Vollinsekten einer Rüsselkäfer-Art

Scheibenböcke (Frischholzinsekten / Frischholzbockkäfer)

Die Scheibenböcke sind typische große Bockkäfer mit langen Beinen, die weit unter dem Körper hervorschauen, und großen und langen Fühlern am Kopf - ein Sinnbild für einen schönen Käfer.

Der Veränderliche Scheibenbock (Callidium / Phymatodes testaceus) sowie der Rote Scheibenbock (Pyrrhidium sanguineum) befallen nur berindetes Nadel- und Laubholz (als Schädling kommt er oft mit Kaminholz in die Häuser). Ein Neubefall an Holz ohne Rinde kommt nicht vor. Der Käfer kommt selten in rindenlosen Holzprodukten vor; der Befall erfolgt dann jedoch vor der Verarbeitung (NOLDT, 2014). Aus den Hakengängen im Splintholz erfolgt dann innerhalb einer Jahresfrist der Ausschlupf und die prächtigen Käfer zeigen sich (Bilder). Die Käfer fliehen dann durch offene Fenster und Türen und sterben in der Regel, da sie in Gebäuden oft zu früh schlüpfen.

Typisch für den Roten Scheibenbock ist die feine samtig-rote Behaarung, die fast am ganzen Käfer zu finden ist - nur Beine, Fühler und ein Teil des Kopfes sind schwarz; die Käfer werden 9-11 mm lang. Befallen wird bevorzugt Eichenholz, seltener auch Buche, Weißbuche, Kastanie und Rostkastanie (HICKIN, 1963).

Typisch für den Veränderlichen Scheibenbock sind der rötliche Halsschild und die verdickten Beinschenkel (MADEL, 1952). Die Farbe der Flügeldecken ist variabel. Befallen werden bevorzugt Eichen- und Buchenholz.

   Käfer-Portrait des Roten Scheibenbocks (Pyrrhidium sanguineum)


  Vollinsekt des Veränderlichen Scheibenbocks (Phymatodes testaceus) mit seinen langen F&üuml;hlern

Laus und Co.

Wir bestimmen leider keine Parasiten und Lästlinge wie Läuse, Flöhe und dergleichen. Fragen hierzu richten Sie bitte an einen Arzt oder Schädlingsbekämpfer.

Literatur:

Bartos, J.; Verner, P. H. (1990) Vorratsschädling. D. Landwirtschaftsverlag, Berlin
Becker, G. (1943) Beobachtungen und experimentelle Untersuchungen zur Kenntnis des Mulmbockkäfers (Ergates faber L.). Z. ang. Entomologie 30 (2), S. 263-296
Becker, G. (1950) Zerstörung des Holzes durch Tiere. In: Mahlke, F.; Troschel, E.; Liese, J. (Hrsg.) Handbuch der Holzkonservierung. Springer, Berlin, S. 111-162
Becker, G. (1951) Ein kaum bekannter Käfer im Bauholz breitet sich aus. Holz-Zentralblatt 153, S. 1895-1896
Becker, G. (1953) Räuber und Parasiten holzzerstörender Insekten in Gebäuden. Verhandlungen der Deutsche Gesellschaft für angewandte Entomologie e. V. auf der zwölften Mitgliederversammlung, S. 76-87
Becker, G. (1958) Holzzerstörende Tiere und Holzschutz im Meerwasser. Holz als Roh- und Werkstoff 16, S. 204-215
Ebner, S.; Scherer, A. (2001) Die wichtigsten Forstschädlinge Insekten, Pilze, Kleinsäuger - Stockner, 199 S.
Engelbrecht, H.; Reichmuth, C. (2005) Schädlinge und ihre Bekämpfung, Gesundheits-, Vorrats- und Holzschutz. Behrs Verlag, Hamburg
Fisher, R. C. (1937) Studies of the death watch beetle, Xestobium rufovillosum De G. Annals of applied biology 24, S. 600-613
Flohr, E. (2015) Holzzerstörende Insekten – Systematik unter baupraktikablem Gesichtspunkt. Schützen & Erhalten 2015 (2), S. 11-13
Freude, H.; Harde, K. W.; Lohse, G. A. (1969) Die Käfer Mitteleuropas. Bd. 8. Teredilia, Heteromera, Lamellicornia. Goecke & Evers, Krefeld
Harde, K. W.; Severa, G. A. (1988) Der Kosmos-Käferführer, Kosmos, Stuttgart
Haustein, T.; Haustein, V. H.; Laar, C. v.; Noldt, U. (2010) Holzzerstörende Nagekäfer (Coleoptera, Anobiidae). Ein Beitrag zur Lebensweise und Bestimmung von drei einheimischen Nagekäferarten: Gewöhnlicher Nagekäfer, Gescheckter Nagekäfer, Gekämmter Nagekäfer. In: Venzmer, H. (Hrsg.) Europäischer Sanierungskalender 2010. Bauwerksdiagnostik und Sanierung, Beuth Verlag GmbH Berlin Wien Zürich, S. 109-119
Haustein, T.; Haustein, V. H. (2015) Holzschädigende Insekten und Meeresorganismen. In: Scheiding et al. (Hrsg.) Holzschutz. C. Hanser, München, S. 109-164
Hickin, N. E. (1963) The insect factor in wood decay. Hutchinson, London
Hickin, N. E.; Edwards, R. (1975) The insect factor in wood decay. An account of wood-boring insects with particular reference to timber indoors. 3. Aufl.; Associated business programmes London, Anchor Press, Essex, 383 S.
Kempe, K. (1999) Dokumentation Holzschädlinge. Bauwesen, Berlin
König, E. (1957) Tierische und pflanzliche Holzschädlinge. Erkennen, Lebensgewohnheiten und Schädlichkeit holzzerstörender Insekten und Pilze, Schutz und Bekämpfung. Holz-Zbl.-Verlag, Stuttgart
Mahlke, F.; Troschel, E.; Liese, J. (1950) Handbuch der Holzkonservierung. Springer Verlag, Berlin
Noldt, U. (2005) Insekten. In: Müller, J. (Hrsg.) Holzschutz im Hochbau. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart, S. 73-100
Noldt, U. (2006) Schäden durch Insekten. In: Huckfeldt, T.; Wenk, H.-J. (Hrsg.) Holzfenster. Rudolf Müller, Köln, S. 208-245
Noldt, U.; Michels, H. (Hrsg.) (2007) Holzschädlinge im Fokus. Schriften Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe - Freilichtmuseum Detmold. Merkus Verlag, 265 S.
Noldt, U. (2014) Insekten. In: Binker G.; Brückner, G.; Flohr, E.; Huckfeldt, T.; Noldt, U.; Parisek, L.; Rehbein, M.; Wegner, R. (2014) Praxis-Handbuch Holzschutz. Rudolf Müller Verlag, Köln, S. 112-153
Ridout, B. V. (2000) Timber decay in buildings. The conservation approach to treatment. E & FN Spon, London
Sutter, H.-P. (1997) Holzschädlinge an Kulturgütern erkennen und bekämpfen. P. Haupt, Bern
Weidner, H. (1993) Bestimmungstabellen der Vorratsschädlinge und des Hausungeziefers Mitteleuropas. G. Fischer Verlag, Stuttgart
 


  Eine Laus nach der Mahlzeit

Portrait einer Bremse mit ihren markanten Facettenaugen

Puppen von Fiegen im Holz

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